Donnerstag, 11. Dezember 2008

Badische Zeitung: Ein Missverständnis und keine Hilfe

Schlechte Erfahrungen einer jungen, arbeits- und wohnungslosen Frau mit der Arge

Einen halben Monat lang musste sich Silke Schneider (Name geändert), 28, durchschlagen – ohne einen Cent. Erst am 12. November gingen die 351 Euro Arbeitslosengeld II für den bereits halb vergangenen Monat auf ihrem Konto ein. Warum? Ihre Adresse sei unklar gewesen, argumentiert die Arge: Sinnigerweise in einem Brief, der durchaus bei Silke Schneider ankam. Sie hatte der Arge, obwohl sie derzeit wohnungslos ist, eine feste Adresse hinterlassen – von "Freiraum", der Beratungsstelle für wohnungslose Frauen. Wieso bekam sie ihr Geld nicht? Da habe es sich "möglicherweise um ein Missverständnis" gehandelt, sagt Arge-Pressesprecher Hanspeter Fakler. Das Amt für Wohnraumversorgung habe der Arge mitgeteilt, Silke Schneider sei unbekannt verzogen. Sie selbst sagt, sie habe nur angekündigt, sie könne vielleicht bei einem Bekannten einziehen – wozu es aber nicht kam.



Wie hat sie sich den halben Monat ohne Geld durchgeschlagen? Mit Geliehenem, sagt sie: "Es war total erniedrigend." Schließlich ging sie mit einem Begleiter vom "Runden Tisch zu den Auswirkungen der Hartz-Gesetze" zur Arge und bekam zunächst nur einen Lebensmittelgutschein – ihr Geld kam am Tag darauf. Für Silke Schneider war diese Erfahrung mit der Arge nicht die erste schlechte. Seit sie 2007 ihr Studium abbrach, habe sie nie sinnvolle Unterstützung von der Arbeitsagentur bekommen, sagt sie. Die Finanzierung eines sechswöchigen Pflegehilfekurses als Grundlage zum Jobben sei sofort abgelehnt worden. Sie müsse selbst Initiative zeigen, habe sie zu hören bekommen, sie solle die Gelben Seiten aufschlagen und sich irgendwo bewerben. "Das wäre ja furchtbar, wenn das jemand so gesagt hätte", findet Arge-Pressesprecher Hanspeter Fakler – das könne er sich nicht vorstellen. Er argumentiert, bei Silke Schneider sei nicht geklärt gewesen, ob sie der Pflege gewachsen sei. Ihr sei ein Bewerbungsseminar angeboten worden. Die Arge werde die Situation nun genau prüfen.