Dienstag, 20. Januar 2009

Badische Zeitung: Bäder und Kinos fehlen noch

Menschen mit wenig Geld dennoch am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen das ist das Ziel des Freiburg-Passes. Seit fast einem Jahr bekommen ihn Menschen, die Arbeitslosengeld II, Leistungen der Sozialhilfe erhalten oder Asylbewerber sind, kostenlos. Dieser Pass verschafft ihnen Ermäßigungen bei mittlerweile mehr als 40 Angeboten. Von den gut 20 000 Berechtigten haben voriges Jahr indes nur etwa 2700 den Pass in Anspruch genommen.



Sagt Martin Klauss vom runden Tisch zu den Auswirkungen der Hartz-Gesetze in Freiburg und hält es dennoch für unerlässlich, den Freiburg-Pass auszuweiten. Einerseits bei den Angeboten zum Beispiel auf die Bäder und möglichst auch die Kinos. Zum anderen gehöre auch der Kreis der berechtigten Menschen vergrößert. "Eigentlich müssten alle, die monatlich weniger als 900 Euro netto haben, was als offizielle Armutsgrenze gilt, einen Anspruch auf den Pass haben."

Dazu zählen nicht zuletzt Frauen und Männer, die eine Erwerbsminderungsrente bekommen, sagt Stadtrat Walter Krögner (SPD). "Sie liegen zum Teil unter dem Regelsatz von Hartz IV mit 351 Euro im Monat und haben trotzdem keinen Anspruch auf den Freiburg-Pass." Und Stadträtin Ulrike Schubert (Unabhängige Listen) ergänzt: "Gerade in einer Dienstleistungsstadt erhalten viele Frauen Armutsgehälter aber keine Leistungen des Freiburg-Pass." Deshalb kann sich auch Stadträtin Ellen Breckwoldt (CDU) durchaus eine Erweiterung vorstellen. Denn: "Die CDU ist daran interessiert, dass jeder Mensch am Leben der Gesellschaft teilhaben können muss und das geht eben nur mit verbilligten Angeboten."

Neu bei den Angeboten des Freiburg-Passes, die armen Menschen manches billiger machen: Reparaturen in der Fahrradwerkstatt, Konzerte des SWR-Sinfonieorchesters und die Kleintierklinik in der Wiehre.

Die beiden Stadträtinnen und der Stadtrat gehören mit Vertretern des runden Tischs einer Projektgruppe an, die beharrlich den Freiburg-Pass forderte, bis er Anfang Februar 2008 endlich eingeführt wurde. Kosten für die Stadt Freiburg verursacht er kaum, meint Martin Klauss: "Bisher waren das gerade mal 4000 Euro für den Druck eines Faltblatts mit den ermäßigten oder kostenlosen Angeboten." Dessen zweite Auflage ist jetzt gerade mit 6000 Exemplaren erschienen. Was bereits bald zu wenig sein könnte. Wenn nämlich die Stadtveraltung den vom Gemeinderat geforderten Armutsbericht vorlegt, ist sich Walter Krögner sicher: "Der wäre dann eine gute Grundlage für die Weiterentwicklung des Freiburg-Passes."