Wer nicht am vielfältigen Leben eines Gemeinwesens wie Freiburg teilnehmen kann, weil er oder sie arm ist, verarmt noch mehr. Das ist aber nur die eine Seite. Die andere ist: Je mehr Menschen außerhalb einer Gesellschaft stehen, umso mehr verarmt diese Gesellschaft selbst. Deshalb ist es für alle Seiten gut, dass die Projektgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern von Gemeinderat und Rundem Tisch Jahre lang beharrlich und so lange den Freiburg-Pass forderte, bis er im Februar 2008 eingeführt wurde. Ein Erfolg vor allem deshalb, weil da über Parteigrenzen und politische Differenzen hinweg an einem Strang gezogen wurde. Nicht, um den Strick um den Hals der Verarmten in der Stadt zuzuziehen, sondern um ihnen etwas an die Hand zu geben, was für sie zu einem Lebensfaden werden kann. Dieses Vorhaben ist auf Entwicklung angelegt. Und dass der Freiburg-Pass nicht nur Menschen beweglicher macht, sondern auch selbst in Bewegung kommen kann, hat das erste Jahr gezeigt: Nun erhält nicht mehr eine Hausgemeinschaft einen Pass, sondern jeder und jede, die wegen ihrer Armut einen Anspruch darauf haben. Weil es jedoch mehr Arme in Freiburg gibt, bleibt einiges an Spielraum, um noch mehr Zug in das Ganze zu bringen.
Gerhard M. Kirk