Donnerstag, 8. Januar 2009

Reaktion des Runden Tisches zum BZ-Artikel vom 8.1.2009 "Einheitstarif als Basis des Erfolgs"

An die Lokalredaktion der Badischen Zeitung,
an Frau Beate Beule
nachrichtlich an
Frau Dr. Helgard Berger,
und Frau Dorothee Koch,

Sehr geehrte Frau Beule,

erlauben Sie, dass wir unserer Verwunderung Ausdruck verleihen über einige Aussagen im heutigen BZ-Artikel mit der Überschrift: "Einheitstarif als Basis des Erfolgs".

Nachdem in diesem Artikel Äußerungen von Frau Dr. Berger und Frau Koch zitiert sind, geht dieses Schreiben mit gleicher Post nachrichtlich auch an diese beiden Verantwortlichen von VAG und RVF.

Zum Inhaltlichen:

Der Artikel beginnt mit der "Aussage":
"Das Thema "Sozialticket" ist vorerst vom Tisch".
Begründet wird diese "Feststellung" mit der Behauptung: "Der Gemeinderat hat beschlossen, dass zunächst ein Gutachter klären soll, inwieweit es in Freiburg Bedarf gibt, Menschen mit wenig Geld eine verbilligte Monatskarte für Straßenbahnen und Busse anzubieten".

Dem Runden Tisch ist nicht bekannt, dass der Gemeinderat über die Einführung eines Sozialtickets oder ein Gutachten dazu etwas beschlossen hat. Von Frau Dr. Berger und Frau Koch kann diese Fehlinformation nicht stammen, weil beide Funktionen innerhalb der VAG innehaben und darüber informiert sind, dass nicht im GR, wohl aber im Aufsichtsrat der VAG über die Erstellung eines Gutachtens ein Beschluss gefasst wurde.

Der Runden Tisch weist darauf hin, dass leider der Vorschlag eines interfraktionellen Antrags im GR für einen Grundsatzbeschluss für ein Sozialticket und ein vorgelagertes Gurtachten nicht umgesetzt wurde, und stattdessen ein Beschluss im Aufsichtsrat der VAG erfolgte.
Von diesem Beschluss haben wir leider nur über Dritte erfahren, und möchten deshalb nochmals die Gelegenheit nutzen, Frau Dr. Berger zu bitten, uns den Wortlaut dieses Beschlusses zukommen zu lassen.

Der Runden Tisch weist weiter auf ein Schreiben hin, in dem wir die VAG aufgefordert haben, mit der gemeinderätlichen Projektgruppe FreiburgPass und dem Runden Tisch das Gespräch darüber aufzunehmen, nach welchen Kriterien ein Mobilitätsgutachten erstellt werden sollte, das die wirtschaftlichen Folgen der Einführung eines Sozialtickets möglichst realistisch darstellen könnte. Den Brief finden Sie in der Anlage.

Bei einem derartigen Gutachten kann es auch nicht - wie es im o.g. Artikel der BZ heißt - darum gehen, zu „klären, inwieweit es in Freiburg Bedarf gibt- für ein Sozialticket. In der Frage des Bedarfs gibt es unseres Wissens keine unterschiedliche Meinung zwischen Frau Dr. Berger oder Frau Koch und den InitiatorInnen des Sozialtickets. Geklärt werden soll durch das Mobilitätsgutachten die Frage, welche wirtschaftlichen Folgen die Einführung eines ST hätte. Erst dann wäre sachlich zu klären, wer für vermutete Mindereinnahmen der Verkehrsbetriebe in welcher Form aufkommen müsste.

Insgesamt bleibt festzustellen: Das Thema Sozialticket ist keineswegs vom Tisch, es findet sich, neu angeschoben durch Fachleute aus anderen Städten und viele interessierte FreiburgerInnen, dann eher auf dem Tisch wieder und wird in den nächsten Monaten breit diskutiert werden. Als spannendes Thema auch für den Kommunalwahlkampf, zumal sich GemeinderätInnen aus allen Fraktionen der Gemeinderats die Einführung eines solchen Tickets auf die Fahnen geschrieben haben.

Wir sind uns sicher, dass auch Freiburg ein Sozialticket dringend braucht und es deshalb bald ein Sozialticket geben wird: für Freiburg und die Regio!

Mit freundlichen Grüßen
und der Bitte, die Ungenauigkeiten in Ihrer Zeitung zu korrigieren. Wir stehen gerne für weitere Informationen zur Verfügung.

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Badische Zeitung

Donnerstag, 08. Januar 2009

Einheitstarif als Basis des Erfolgs

Das Thema "Sozialticket" ist vorerst vom Tisch: Der Gemeinderat hat beschlossen, dass zunächst ein Gutachter klären soll, inwieweit es in Freiburg Bedarf gibt, Menschen mit wenig Geld eine verbilligte Monatskarte für Straßenbahnen und Busse anzubieten. Hierbei soll es auch um die Frage gehen, welche Erfahrungen andere Städte gemacht haben. Klar ist allerdings schon jetzt: Keinesfalls möchten die Freiburger Verkehrs-AG (VAG) und der Regio-Verkehrsverbund Freiburg (RVF) von ihrer einheitlichen Tarifstruktur abweichen.
Nutzer des Öffentlichen Nahverkehrs haben es in anderen Städten nicht immer ganz leicht: Um einen Fahrschein zu lösen, müssen sie sich im Tarifdschungel zurechtfinden. Je nachdem, wie lange die Fahrt dauert, kosten die Tickets unterschiedlich viel Geld. Außerdem gibt es Fahrscheine, die nur zu bestimmten Uhrzeiten gelten.

Anders in Freiburg: Verschiedene Zonen gibt es nur bei Einzel- oder Mehrfachfahrscheinen. Diese machen jedoch nur zehn Prozent aller Fahrten aus. Die übrigen Fahrgäste sind mit der Regiokarte unterwegs. Und für dieses Monats-ticket zahlen alle das gleiche – egal, ob sie lediglich vom Stühlinger in die Wiehre pendeln oder täglich aus dem Schwarzwald in die Freiburger Innenstadt fah- ren.

Daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern – obwohl Freiburg deutschlandweit mit seinem Modell alleine dasteht. "Wir sind überzeugt davon, dass das einheitliche Tarifsystem erst zu dem Erfolg des öffentlichen Nahverkehrs in der Region beigetragen hat", sagt VAG-Vorstandsmitglied Helgard Berger: "Das werden wir nicht opfern."

Ohne Einheitstarif funktioniere das gesamte System des Verkehrsverbunds nicht mehr, sagt Dorothee Koch, Geschäftsführerin des RVF und Prokuristin bei der VAG. Dies bestätigt eine Untersuchung des RVF. Da diese schon etliche Jahre zurückliegt, seien die Zahlen zwar nicht mehr aktuell, sagt Koch. Das Ergebnis gelte aber trotzdem auch heute noch: Das Prinzip der Regiokarte funktioniere nur in der derzeitigen Form. Wenn die Freiburger Kunden beispielsweise die Wahl hätten, eine preisgünstigere Monatskarte nur für den Innenstadtbereich zu erwerben, risse dies in die Gesamtbilanz ein zu großes Loch, sagt Koch. Denn: Ein Großteil der Regiokarten-Besitzer wohnt in der Stadt und nicht auf dem Land.

Genauere Informationen über die persönlichen Daten ihrer Kunden haben RVF und VAG allerdings nicht. Deshalb sei es beispielsweise auch schwierig, den Bedarf für ein Sozialticket zu schätzen, sagt Berger. Zwar gibt es Fahrgastzählungen. Aber die sagen zum Beispiel nichts über die Einkommenssituation der Kunden aus. In anderen Städten hätten die Prognosen zum Teil viel zu niedrige Zahlen ergeben. Deshalb müssten etliche Kommunen beim Sozialticket nun draufzahlen, sagt Berger. Damit das in Freiburg nicht passiert, soll nun zunächst ein Gutachten klären, wie viel Bedarf es eigentlich gibt.

Einig sind sich VAG und RVF, dass die Mehrkosten für das Sozialticket keinesfalls bei den Verkehrsverbünden hängen bleiben dürfen. "Das ist eine politische und keine unternehmerische Entscheidung", betont Berger. Diese könnte die Stadt Freiburg auch alleine fällen – obwohl zum RVF auch die Landkreise Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald gehören. Dies sei allerdings nur dann möglich, wenn das Sozialticket ausschließlich für bedürftige Freiburger gelte und sich an der bisherigen Tarifstruktur nichts ändere, erklärt Koch. Sobald an dem System insgesamt gerüttelt werde, müssten auch die Landkreise dem Modell zustimmen und sich entsprechend finanziell am Sozialticket beteiligen.