Ein Live-Musical für 3,50 Euro? Am Theater Freiburg ist der zweifach ermäßigte Eintrittspreis im Aktionsmonat Februar nicht nur Wunschdenken. Zumindest für Hartz IV-Empfängerinnen und -Empfänger. Denn: Sämtliche Veranstaltungen des Theaters gibt’s den ganzen Februar für Arbeitslose und für andere Bezieher von Sozialleistungen, die den Freiburg-Pass vorlegen, für die Hälfte des sonst üblichen ermäßigten Preises von 7 Euro.
Intendantin Barbara Mundel reagiert mit diesem ungewöhnlichen Signal auf den großen Themenschwerpunkt "Armut und Kapitalismus": "Wir wollen hier nicht nur diese Themen darstellen und bespielen, wir wollen auch, dass die, die von diesen Entwicklungen und Problemen am härtesten getroffen sind, in unser Haus kommen."
Etwa 20 000 Berechtigte gibt es für diese Einladung in Freiburg, aber nur rund 2000 von ihnen haben bislang den Freiburg-Pass beantragt. Zugang zu dem Aktionsmonatsangebot hätten beide Gruppen – die mit Freiburg-Pass und die ohne. Was, wenn die 3,50 Euro jetzt einen Run aufs Theater auslösen würden? "Das würde mich riesig freuen!" sagt Barbara Mundel, "denn bislang werden die ermäßigten Karten immer noch zu wenig angenommen." In der vergangenen Spielzeit wurden gerade mal 117 ermäßigte "Hartz-IV-Karten" gekauft.
Immerhin habe sich die Gesellschaft, so Mundel, einst entschieden, Theater zu subventionieren, um es für alle zugänglich zu machen, nicht nur für die, die es sich ohnehin leisten könnten: "Wo da genau die Schmerzgrenze liegt, wissen wir gar nicht." Um diese Frage aber zu einer politischen Debatte machen zu können, bedürfe es quasi der Überprüfung im Praxistest. Gelingt es, auch für Bedürftige die Hürden vor den Theaterpforten so niedrig zu machen, dass sie ins Theater kommen?
An der Theaterkasse ist die Bilanz nach den ersten Februartagen noch ernüchternd: Die Nachfrage nach den 3,50 Euro-Tickets halte sich in Grenzen. Sogar für die ausnahmsweise für Billigtickets freigegebene Premiere von "Der Sturm" seien noch ermäßigte Karten zu haben. Für die Arbeitslosen, die sich spärlich zum Kauf solcher Karten angestellt haben, ist das zum einen ein tolles Angebot, zum anderen aber rechnen sie vor: "Bei knapp 6 Euro Tagessatz sind auch die 3,50 Euro plus 4 Euro für die Straßenbahn schon ein Riesenluxus." Dass da "Der Mann von la Mancha" – wie üblich ab Preisklasse 3 – zum Beispiel statt für 29 Euro für 3,50 Euro zu haben ist, verführt die theaterbegeisterte Gabi Groß, arbeitslose Apothekerin, sich auf diesen Luxus einzulassen. Ihr Hinweis: "Ich bin mein Leben lang mit dem Theater auf Tuchfühlung, da ist klar, dass ich dieses Angebot überhaupt wahrgenommen habe, für andere dürfte das schwieriger sein!"
Diese Schwierigkeit sieht auch Barbara Mundel und hat den Aktionsmonat sowohl in der Straßenzeitung "Freier Bürger" inserieren als auch weiträumig plakatieren lassen. Auch das Aktionswochenende vom 13. bis zum 15. Februar wird heftig beworben. Infos dazu und zum Aktionsmonat gibt’s an der Theaterkasse, Bertoldstraße 46 und unter http://www.theater-freiburg.de