Freitag, 6. März 2009

ARGE Breisgau-Hochschwarzwald und Leiharbeit - Erlebnisbericht

Mein neuer Arbeitsvermittler von der Arbeitsamt/ARGE unterzog mich einem langen Verhör, bei dem er auch meine Bereitschaft, bei einer Zeitarbeitsfirma zu arbeiten, genau beleuchtete. Meine Meinung zu Zeitarbeitsfirmen ist auf der Arbeitsamt/ARGE bereits bekannt und diese Meinung hatte sich zu meinem neuen Sachbearbeiter wohl rumgesprochen. Bei Durchsicht der aktuellen Stellenangebote fragte er mich, ob ich bei der Zeitarbeitsfirma "X" die angebotene Stelle annehmen würde. Meine Antwort: "Er solle bitte nicht vergessen, dass ich hier auf der ARGE sitze und wohl kaum die Möglichkeit hätte, dieses abzulehnen. Meine Meinung zu Zeitarbeitsfirmen dürfte jedoch bekannt sein." Er nickte und meinte, genau so hätte er mich eingeschätzt und übersprang dann die Angebote der Zeitarbeitsfirmen - jedoch nur, um mir dann nachträglich schriftlich diese Stellen anzubieten.

Selbstverständlich bewarb ich mich bei diesen. Jedoch unterschrieb ich deren Formulare nicht und füllte diese auch nicht vollständig aus. Ich bewarb mich ordentlich in schriftlicher Form mit den üblichen Unterlagen und wies darauf hin, dass in meiner Bewerbung alle relevanten Daten zu finden seien und ich daher keinen Grund sehe, weitere Angaben zu meiner Person und zu meinem Denken schriftlich abzugeben und die Richtigkeit meiner Angaben nochmals unterzeichnen soll.

Ich konnte beim Bewerbungsgespräch meine Ablehnung gegenüber Zeitarbeitsfirmen nicht verbergen, ohne dass ich mich jedoch darüber äusserte. Bei Zeitarbeitsfirma XY fragte mich die SB, ob ich wohl schlechte Erfahrungen gemacht hätte, weil ich so verschlossen und misstrauisch wäre. Meine Antwort: "Nein, denn ich habe ja bislang noch bei keiner gearbeitet und über meine politische Meinung bezüglich Zeitarbeitsfirmen wolle ich hier an dieser Stelle lieber keine Auskünfte geben."

Zum Ablauf: Man erhält über die ARGE/Arbeitsamt bzw. über Zeitungsanzeigen gezielte Stellenangebote. Beim Bewerbungsgespräch werden diese gänzlichst übergangen. Zu aller erst muss man das hausinterne Bewerbungsformular ausfüllen und unterschreiben. Fragen wie z. B. Welche km Entfernung zum Arbeitsplatz ist für Sie akzeptabel - Bei welchen Unternehmen möchten Sie keinesfalls arbeiten - Gehaltsvorstellung (pauschal ohne Berücksichtigung um welchen Arbeitsplatz es sich handelt selbstverständlich). Da ein Arbeitsloser jede zumutbare Arbeit bis zu einer Entfernung von 50 km annehmen muss, will er keine Sanktionen, ist die Beantwortung dieser Frage auf die persönlichen Umstände abgestimmt höchst gefährlich. Ebenso die Beantwortung bei welchen Unternehmen ich nicht arbeiten will, da ich gar keine freie Wahl habe. Zumal meine Antwort paradox wäre, da ich ja gerade bei dem Unternehmen sitze, bei dem ich nur höchst ungern arbeiten würde.

Die Zeitarbeitsfirmen (zumindest Zeitarbeitsfirma XY mit meinem SB) arbeiten zwecks Kontrolle der Arbeitswilligkeit der Arbeitslosen eng zusammen. Die SB hat dies ohne meine Aufforderung zwar bestritten, doch ich bin mir ganz sicher, dass meinen Besuch bei Zeitarbeitsfirma XY angekündigt wurde mit der Bitte, mich zu durchleuchten.

Erst bei der Verabschiedung erkärte man mir beiläufig, es handele sich um ein Stellenangebot im Centrum Freiburg bei einem Finanzunternehmen. Genaueres habe ich selbstverständlich nicht erfahren. Bei einem anderen Vorstellungsgespräch bei ABC-Zeitarbeit bewarb ich mich auf Grund eines Stellenangebotes: "Grosskunde in Stadt XY sucht Bürokraft". Da ich das hausinterne Bewerbungsformular nicht ausfüllte, erhielt ich keine Auskunft über diese Tätigkeit. Gibt es überhaupt einen evtl. Grosskunden in Stadt XY? Wenn nein, dann wäre dies unlauterer Wettbewerb. Handelt es sich bei dem Finanzunternehmen vielleicht um die ARGE, die hier den Auftrag erteilte, mich zu kontrollieren? Mein Gefühl sagt ja, doch ich kann es nicht beweisen. Ein anderes Mal bewarb ich mich als Sachbearbeiterin direkt im Haus einer Zeitarbeitsfirma. Diese Stelle im Haus war selbstverstänlich nicht mehr vorhanden, doch gerne wollte man mich anderweitig vermitteln. Ansonsten alles wie gehabt.

Als privater Arbeitsvermittler erhielt man vor etlichen Jahren 1500 DM für die ersten 6 Monate. Sollte die vermittelte Person danach noch in Beschäftigung sein, gab es eine Folgeprämie in ähnlicher Höhe und nach 12 Monaten nochmals eine Folgeprämie. Ich denke, viel hat sich da nicht geändert. In meinem persönlichen Fall bietet mein SB dem Arbeitgeber 30% Lohnkostenzuschuss, also der Zeitarbeitsfirma. Die machen den grossen Gewinn und lachen, nebenbei bemerkt, über die ARGE/Arbeitsamt. Bemerkung von Zeitarbeitsfirma XY: "Das Arbeitsamt hat doch gar keine Möglichkeiten der Vermittlung. Weder hat das Amt die Beziehungen zum Arbeitmarkt noch die Zeit, vermittelnd tätig werden zu können." Dabei hatte die SB ein Grinsen im Gesicht, das Bände sprach. Händereibend übernehmen sie daher von der ARGE die Aufträge der Kontrolle von Arbeitslosen und haben wieder einen Menschen mehr in ihrem Netz, den sie für Billiglohn vermieten.

Zur Zeit habe ich eine Bewerbung bei einer Zeitarbeit laufen. Mal sehen, wie man da versucht, mich auszulinken. Wenn ich eine Vermutung anstellen darf, nach den gesammelten Erfahrungen mit mir, wird es wohl der mütterliche oder väterliche Typ sein, der dann vor mir sitzt.

Hoffe, das Thema Zeitarbeitsfirmen wird weiter beleuchtet und ich freue mich über jede Zeitarbeitsfirma, die in Folge der Weltwirtschaftskrise den Bach runter geht. Hoffentlich werden es recht viele sein. Treffen wird es diese in jedem Fall, da die lieben Unternehmen, die ihr Personal über die Zeitarbeitsfirmen decken, ja keine Verwendung mehr fürs Personal haben. Ich warte sehnsüchtig auf die Meldung: "Zeitarbeitsfirma muss schließen, da die Personalkosten nicht mehr zu tragen sind - oder Zeitarbeitsfirma erbittet Unterstützung vom Staat zur Deckung der Personalkosten, da ansonsten die Kündigung des Personals anstünde." Wann endlich wird dieser Tag kommen!