Montag, 15. April 2013

"Was haben Sie zum umverteilen?"

500 Menschen demonstrierten in Freiburg für Gerechtigkeit.


Über hundert Städte haben am bundesweiten Aktionstag "Umfairteilen" teilgenommen, in Freiburg gingen rund 500 Demoteilnehmerinnen und -teilnehmer für ihr Anliegen einer gerechten Welt auf die Straße. Im Januar hatte die Freiburger Attac-Gruppe den hiesigen Protestzug initiiert und vorbereitet und dazu eine ganze Reihe von Nichtregierungsorganisationen und Gruppen mit ins Boot geholt. "Vor allem ver.di war gleich sehr engagiert dabei", erzählt Barbara Volhard. Die 78-Jährige ist Attac-Aktivistin. Für die Demo hat sie die symbolische Pfändung von "Starbucks" vorbereitet.

Erst ganz am Schluss der zweistündigen Aktion steht das amerikanische Kaffeehaus auf dem Programm, Barbara Volhard fischt in ihrer Tasche: Ist die Rede noch da, die Flugblätter zur Pfändungsaktion? Auf denen ist erklärt, wie der globale Konzern dank unternehmerischer Tricks beispielsweise in Deutschland bei 117 Millionen Euro Jahresumsatz dennoch 5,3 Millionen Euro Verlust erwirtschafte. Man könne aber, so steh auf dem Flugblatt, von 5 Millionen Euro Gewinn ausgehen – "darauf wären Steuern in Höhe von mehr als 1 500 000 Euro fällig, die der Konzern uns schuldet."

Nur ein Prozent für die Jeansnäherin

Während also aus dem Kreis der Demonstrierenden kritisiert wird, wie weltweit zugunsten der Konzerne aufgeteilt wird, was da ist, fragen Mitarbeiterinnen der Diakonie die Protestler und die Passanten: "Was haben Sie umzuverteilen?" Um das Verfahren zu vereinfachen haben sie Kärtchen mit Symbolen vorbereitet, die stehen für Geld, Zeit, Wissen und Liebe. Alles, sagt ein älterer Herr, "man gibt viel zu wenig!" Und Max Heinke vom Freiburger Friedensforum bestätigt den "langen Weg von der Einsicht bis zum Handeln". Für den Friedensbewegten hat soziale Gerechtigkeit auch ganz viel mit Frieden und Abrüstung zu tun.

Die Demo zielt auf ihrem zweistündigen Weg auf zivile Orte der Ungerechtigkeit. Vor der Uni reklamiert Die Linke.SDS bessere Bildungschancen für alle, denn Gerechtigkeit habe auch mit dem Schulsystem und dem Hochschulwesen zu tun. Stimmt, sagt Barbara Volhard. Die pensionierte Lehrerin kritisiert seit ihren Studienjahren in Freiburg, was der Chancengerechtigkeit auf dem Bildungssektor entgegensteht.

Die nächste Station des Protestumzugs führt auf die Kaiser-Joseph-Straße. In der tummeln sich am Samstagmittag die, die beschaulich kaufen wollen. Da stoppt der Demozug vorm Klamottenladen Pimkie. Und aus dem Megaphon tönt die Kostenkalkulation für eine Jeans. Drei Teenie-Freundinnen bleiben stehen, hören zu und sind über die Liste der vorgetragenen Zahlen betreten: Am Ende nämlich bleibt genau ein Prozent des Jeanspreises, der fürs ganz konkrete Herstellen der Jeans veranschlagt wird, das heißt fürs Nähen. "Auch die Näherin in Bangladesh und die Verkäuferin in der Kajo haben ein Recht auf ein gutes Leben!" ruft die Rednerin. Und die drei Freundinnen stimmen zu – "bloß wie können wir dafür sorgen, dass niemand ausgebeutet wird und leidet?" Zum Beispiel, indem sie beim Jeanskaufen auf "Fairtrade"-Produkte schauen, erklärt eine Demonstrantin.

Beim Sozialamt singt der Bettlerchor – die Zahlen von Hartz IV und Niedriglöhnern werden mit lautem Buh kommentiert. Und dann bekommt Starbucks die Pfändungsplakette angeheftet, Barbara Volhard gibt die Gerichtsvollzieherin und erklärt den Demonstrierenden, was es mit den unternehmerischen Tricks auf sich hat. "Das alles kann erst der Anfang sein", resümiert die 78-Jährige am Ende der Demo, "es ist höchste Zeit für ein Umdenken und höchste Zeit zu handeln!"
Quelle: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/was-haben-sie-zum-umverteilen--70889106.html
Zum Thema: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/was-haben-sie-zum-umverteilen--70889106.html
und im letzten Jahr http://www.badische-zeitung.de/freiburg/umfairteilen-100-demonstranten-fordern-reichensteuer--64152687.html
Quellen ebenfalls www.badische-zeitung.de