Montag, 27. Mai 2013

“Ein-Euro-Job“ – und dann? – Forschungsergebnisse der Hochschule Koblenz vorgestellt

Die Forscher gingen der Frage nach, welche Auswirkungen „Ein-Euro-Jobs“ auf die teilnehmenden Menschen haben und was es für sie bedeutet, wenn ihre Förderung ausläuft und sie wieder in die Arbeitslosigkeit entlassen werden. Das Besondere der Studie: Die Betroffenen kamen zu Wort. Denn „was als soziale Teilhabe oder Ausgrenzung wahrgenommen wird, können nur die Teilnehmenden selbst beantworten“, erläuterte Sell.

„Für die Mehrzahl der Teilnehmer bedeutet der Ein-Euro-Job eine positive Veränderung, das zeigt die Studie ganz deutlich“, so Kathrin Schultheis, eine der Wissenschaftlerinnen. Vielfach berichteten die Teilnehmer sie wüssten nun, warum sie morgens aufstehen. Das vorhergehende, teilweise bis zu zehn Jahre andauernde Fehlen einer Berufstätigkeit habe bei einigen Teilnehmern zu Erkrankungen, vorrangig psychischen Leiden, geführt. In ihrem „Ein-Euro-Job“ schöpften sie neuen Lebensmut, so die Sozialwissenschaftlerin.
„Mit dem Ende der Förderung gehen die wenigsten Ein-Euro-Jobber in ein reguläres Arbeitsverhältnis über“, erklärt Tim Obermeier, Mitglied des Forscherteams. Was dann mit ihnen geschehe, lasse sich anhand von drei Typen erklären: „Sie werden zu Stabilisierten, Wartenden oder Resignierten“, so der Sozialwissenschaftler. Stabilisierten gelänge es, die positive Wirkung des „Ein-Euro-Jobs“ durch die Aufnahme einer sinnstiftenden Tätigkeit aufrecht zu erhalten. Bei Wartenden sei das nicht der Fall. Sie hofften deshalb noch auf eine Anschlussförderung. Resignierte hingegen seien perspektivlos in die Arbeitslosigkeit entlassen worden. „Sie bezweifeln, jemals wieder eine Chance auf dem regulären Arbeitsmarkt zu bekommen und ziehen sich zurück.“
Hintergrund des Forschungsprojektes sind die Instrumentenreform vom April 2012 und die Kürzungen der Gelder für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen um fast 50 Prozent in den letzten fünf Jahren. „Die Resignierten führen uns vor Augen, welche Folgen es hat, wenn die Politik die Probleme langzeitarbeitsloser Menschen ignoriert“, betonte Prof. Dr. Stefan Sell.
Quelle 1: idw http://idw-online.de/de/news534868
Quelle 2: Endstation Arbeitsgelegenheit!? Teilhabeperspektiven in „Ein-Euro-Jobs“ – - Die Sicht der Betroffenen – Kurzfassung der IST-Studie [PDF - 3.6 MB]
http://www.rheinahrcampus.de/fileadmin/institute/ibus/Aktuelles/IST-Studie_ibus_end.pdf

von http://www.nachdenkseiten.de/?p=17370